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Über Zwänge, Freiheit und Unabhängigkeit in Wissenschaft und Forschung

Drittmittelfinanzierung an Universitäten - Einschätzung von Professor Peer Pasternack, Sprecher der Expertenplattform "Demografischer Wandel in Sachsen-Anhalt"

 

Die Universitäten in Deutschland sind zunehmend auf Drittmittel angewiesen. Auf die Frage vom Wirtschaftsmagazin Brand eins, ob dies die Freiheit der Wissenschaft gefährde, gab Hochschulforscher und Demografie-Beiratsmitglied Professor Peer Pasternack kürzlich Antworten in einem Interview.

Laut Pasternack kommen wissenschaftliche Einrichtungen mit der Grundausstattung nicht aus. Deshalb müssen ständig Projektmittel für Forschungsvorhaben von öffentlichen und privaten Förderern eingeholt werden, damit alle Mitarbeiter kontinuierlich beschäftigt werden können.
Dies geschieht indem die Forschungseinrichtung selbst ein Projekt bei Förderern bewirbt oder die Förderer ein Rahmenthema vorgeben und sich die Forschungseinrichtung mit einem dazu passenden Projekt daraufhin bewirbt. Eine weitere Möglichkeit: der Förderer gibt das Thema und manchmal auch die Methodik vor und fordert gezielt zwei, drei Institute auf, sich zu bewerben.

Auf zusätzliche Einnahmen angewiesen

Laut Pasternack sind Projektmittel unverzichtbarer Bestandteil der Hochschulfinanzierung geworden und dies wegen eines Sinneswandels in der Forschungspolitik um die Jahrtausendwende. „Damals setzte sich die Überzeugung durch, dass eine komfortable Grundfinanzierung der Hochschulen durch das jeweilige Bundesland eine öffentlich-rechtliche Gemütlichkeit erzeuge. Die Länder kürzten die Mittel, zogen sich gleichzeitig aus der Fachaufsicht zurück und überließen es weitgehend den Hochschulen selbst, über ihr Budget und Personal zu bestimmen. Autonomie gegen weniger Geld – das war der Deal. Die einzelnen Institute sind seitdem in wachsendem Ausmaß auf zusätzliche Einnahmen angewiesen.“, so Pasternack im Interview.

Den eigenen Blickwinkel vergrößern

Die Länder können nur noch durch Förderprogramme in den Hochschulen gestalterisch tätig werden, für viele Vorhaben braucht man auch die Wissenschaft. Auf die Frage von Brand eins, ob es nicht dennoch ein harter Eingriff in die Freiheit der Wissenschaft wäre, wenn Forscher sich aus Geldnot sagen lassen müssen, womit sie sich beschäftigen sollen, entgegnete Peer Pasternack: „Aus der finanziellen Abhängigkeit resultieren Zwänge, ja. Gleichzeitig ist es möglich, mit diesen Zwängen zu spielen. Unser Institut finanziert sich zu 60 Prozent durch Projektmittel. Das ist ein sehr hoher Anteil. Wir schaffen das, indem wir vor allem Projekte an Land ziehen, die zu unserem Profil passen. Dabei hilft, dass wir thematisch breit aufgestellt sind: ob Geschichte der Universitäten, kognitive Entwicklungen, soziale Zusammensetzung der Studierenden oder Organisationsfragen – uns interessiert alles, was mit Hochschulen zu tun hat.“

Quelle: Brand eins,  Interview Prof. Peer Pasternack

Weitere Informationen zu Professor Peer Pasternack erhalten Sie hier
oder unter http://www.peer-pasternack.de/