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Bildung als Rohstoff der Zukunft

Braunsbedra erfindet sich nach dem Ende des Braunkohlebergbaus nicht nur als Touristenort, sondern auch als Bildungsstadt neu

Mächtige Elefanten stampften in grauer Vorzeit durch das Geiseltal, gut eine  halbe Autostunde südlich von Halle. Viele Jahrtausende später herrschten hier die Kolosse auf Achsen: Gewaltige Schaufelradbagger zerfraßen die Landschaft im Braunkohlerevier, um das „braune Gold“ zu Tage zu fördern. Im Zuge des Kohle-abbaus wurden in den 1980er Jahren sogar Überreste der Dickhäuter geborgen, ehe sich auch die Giganten der Abraumhalde für immer zur Ruhe legten. Ihr Ende brachte mithin Arbeitslosigkeit und Abwanderung über die Gegend im Saalekreis.

Inzwischen herrscht wieder Aufbruchstimmung. Der mühevoll errungene Struktur-wandel zeitigt Erfolge: Das Tagebaurestloch wurde geflutet. Nun zieht dort, wo einst die Kolosse der Tierwelt und der Fördertechnik zu Hause waren, der Geiseltalsee als eines der größten künstlichen Gewässer Deutschlands Touristen an und eröffnet den Menschen neue Perspektiven.

Doch parallel dazu sieht René Schmitz, Bürgermeister der angrenzenden Stadt Braunsbedra, nach dem Ende der braunen Kohle vor allem Bildung als Rohstoff der Zukunft. Schon 2014 rief die Kommune die „Bildungsstadt Braunsbedra“ ins Leben. Sie soll helfen, junge Menschen zu halten, die Fachkräfte und Ideen von morgen zu fördern. Motto: „Traditionen haben viele, wir haben Zukunft.“ Die Einheitsgemeinde mit fünf Ortsteilen und zusammen rund 12 000 Einwohnern möchte als „Lernlandschaft“ dafür sorgen, dass von klein auf niemand auf der Strecke bleibt. „Mit Bildung meinen wir nicht nur Schulen, wir wollen unterschiedliche gesellschaftliche Bereiche einbinden“, erklärte der Bürgermeister zum Start.

Mit einem ganzheitlichen Zusammenspiel von Kitas, Schulen, Vereinen und Wirtschaft möchte die Kommune für umfassendes Lernen sorgen. So fördern auch Sport- und Freizeitangebote die Chancengleichheit und wollen jedes Kind mit seinen Stärken und Schwächen weiterbringen. Juliana Alferi, die seit 2019 als hauptamtliche Bildungsmanagerin der Stadt arbeitet, sieht dafür gute Bedingungen: „In Braunsbedra sind die Strukturen eher ländlich. Man kennt sich. Deshalb funktioniert die Zusammenarbeit gut.“

Ein Schwerpunkt, an dem die Geiseltal-Kommune als Modellstadt im Saalekreis besonders intensiv arbeitet, ist der Übergang von der Kita zur Grund- und zu weiterführenden Schulen. Dieser soll für alle Jungen und Mädchen bestmöglich gelingen, egal mit welchen Voraussetzungen sie starten, aus welchen sozialen Verhältnissen sie kommen oder ob sie zugewandert sind. 

Um alle an einen Tisch zu holen, nach einem einheitlichen Konzept zu arbeiten und mit einer Sprache zu sprechen, wurde ein kommunales Bildungsmanagement ins Leben gerufen. So entstanden zum Beispiel Entwicklungsbögen sowie ein Schulkindpass für alle heranwachsenden Braunsbedraer.

Genauso wie die örtliche Bibliothek, die sich etwa mit Aktionen wie Büchersommern für die Leseförderung stark macht, sind auch die alten Kolosse des Geiseltals Puzzleteile in der übergreifenden Bildungsstrategie. Die Geschichte von Elefanten und Baggern kennt in der Gegend heute wohl jedes Kind. Sie fließt zusammen in der alten Zentralwerkstatt Pfännerhall. Das Industriedenkmal am See lockt als Veranstaltungs- und Ausstellungszentrum sowie als außerschulische Bildungsstätte Einheimische wie Besucher an. 

Die lebensechte Rekonstruktion eines Eurasischen Waldelefanten in Originalgröße ist das absolute Highlight der Pfännerhall. In die Zeit des Tagebaus und der Riesenbagger können die Gäste hier ebenfalls eintauchen. Mit Lernprojekten für Kindergruppen und Schulen zur Regionalgeschichte bis hin zu Kunst und Design hat das Haus zugleich einen festen Platz in der Bildungsstadt, an dem sich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Geiseltals treffen.

Braunsbedra hat damit seine Geschicke weiter in die Hand genommen. Beste Bildungschancen für alle sollen ein Markenzeichen der weiteren Stadtentwicklung sein.

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