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Vom Suchen und Finden des Glücks

Der Verein Meridian e. V. macht sich mit sozialen Projekten und Kultur in Magdeburg für die Verständigung von Menschen verschiedener Nationalitäten stark.

In ihrer alten Heimat, wo teilweise Krieg, Gewalt und Hass herrschten, waren sie oft Vertreter gegnerischer Gruppen. Nun treffen sie sich im Magdeburger Eine-Welt-Haus und wollen dasselbe: ein friedliches Leben führen, freundlichen Menschen begegnen und eigene Interessen mit Gleichgesinnten teilen.

Unter dem Dach des Soziokulturellen Vereins Meridian kommen Einwanderer aus dem (bürger-)kriegsgeschüttelten Tschetschenien ebenso wie aus vielen anderen Ländern und Regionen der ehemaligen Sowjetunion zusammen. Hier spielen Herkunft und Status keine Rolle. Im „Club Freundschaft“ tauschen sie sich bei einer Tasse Kaffee über das Leben in Deutschland, die Arbeitswelt oder die Familie aus. Im Generationstheater schlüpfen sie in die Rolle von Schauspielern, proben eigene Stücke, bauen Kulissen, nähen Kostüme.

Auch in der Jugendrockband, beim Sport, im eigenen Tanzstudio oder im Studio für bildende Kunst kommen jüngere und ältere Magdeburger, hauptsächlich mit Herkunft aus Russland und früheren Sowjetrepubliken, regelmäßig zusammen. Knapp 3 000 von ihnen leben nach statistischen Zahlen in der Landeshauptstadt. „Wir helfen ihnen, sich hier zu integrieren, ohne dabei die eigene Kultur und Identität zu vergessen“, sagt Elena Klein.

Selbst vor vielen Jahren zugewandert, engagiert sie sich neben anderen schon lange ehrenamtlich in dem Verein, der in diesem Jahr 21 Jahre alt wird. Sie weiß aus eigener Erfahrung, wie es sich für viele anfühlt: „Da schlagen zwei Herzen in einer Brust.“

Doch eine Parallelgesellschaft wollen die Einwanderer in der Elbestadt nicht, im Gegenteil: „Mit unserer Arbeit und öffentlichen Veranstaltungen fördern wir den Dialog zwischen den Kulturen und Generationen und machen uns für Integration stark“, sagt sie. Beratungen, Sprachkurse oder Nachhilfe für Kinder sollen dabei ebenso Barrieren abbauen und vieles einfacher machen.

Den Mitgliedern von Meridian begegnen dabei immer wieder berührende Schicksale und Lebensgeschichten. Sie erzählen von der Suche nach einem Ort des Glücks, oft auch von den Unbilden der Geschichte. Eine beginnt in Sibirien in den 1930er Jahren.

Dort in der Abgeschiedenheit begegnete ein aus Deutschland stammender Mann einer jüdischen Frau, die sein Herz berührte. Sie verliebten sich, gründeten eine Familie, bekamen zwei Kinder. 1938 ließ Stalin jedoch deutsche Kommunisten in der Sowjetunion verhaften und wies sie ins nationalsozialistische Deutschland aus. Hier wurde der Familienvater sogleich von der Gestapo verhaftet, musste schließlich an die Kriegsfront nach Frankreich, wo er fiel. Seine Frau in Russland wartete noch Jahre auf ihn, bis sie nach vielen Auskunftsgesuchen die traurige Gewissheit hatte.

Vor einigen Jahren siedelte nun eines der beiden Kinder aus Russland nach Deutschland um. „Der Mann lebt heute in Magdeburg“, erzählt Elena Klein und fragt: „Was glauben Sie – an welchem Ort fühlt sich dieser Mensch willkommen und angenommen?“

Der Verein Meridian möchte, dass Magdeburg für alle Menschen, gleich welcher Herkunft und mit welcher Geschichte, ein solcher Ort ist. Ein Ort, an dem sie ihr Glück finden können. 

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