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Soziale Bibliotheksarbeit

Zugänglich für alle in der Region Dessau

Mit ihrem vielfältigen Informations-, Medien- und Dienstleistungsangebot sind Bibliotheken Ankerpunkte der Daseinsvorsorge für die Menschen im ländlichen Raum. Ob Schüler, Student, Wissenschaftler oder Rentner, alle nutzen die vielfältigen Möglichkeiten der Bibliothek.

In der Anhaltischen Landesbücherei Dessau stehen ungefähr 70.000 Medien – Bücher, Hörbücher, Spiele, Zeitschriften, Filme und CDs – für alle Bürger der Stadt Dessau und Umgebung zur Verfügung. Doch nicht jedermann kann die Bücherei nutzen, denn sie hat keinen barrierefreien Zugang. Dies ist eine Herausforderung, der sich die Mitarbeiter der Bibliothek schon lange stellen.

„In der sogenannten Wendezeit ist der bringende Bibliotheksdienst eingeführt worden. Ein Service, den die Bibliothekare in Dessau in Eigeninitiative angeboten haben“, erinnert sich Sabine Lori, die für Benutzerdienste und somit auch für die soziale Bibliotheksarbeit in der Anhaltischen Landesbücherei in Dessau zuständig ist.

Mit diesem zusätzlichen Angebot war eine Ausleihe von Büchern, Zeitschriften und anderen Medien auch für diejenigen Nutzer möglich, die nicht selbstständig die Bibliothek aufsuchen konnten. Dieser Service wird bis heute beibehalten. Allerdings ist die Anzahl derjenigen, die den Service heute in Anspruch nehmen, stark zurückgegangen. Nur 15 aktive Leser können ihn heutzutage noch nutzen.

Zeitungen und Kassetten im Trabant

Frau Lori schildert, Zivildienstleistende hätten damals den Senioren, Seh- und Gehbehinderten die Bücher, Zeitschriften, Zeitungen und Kassetten nach Hause gebracht. Anfänglich fuhr man mit einem Trabant zur Kundschaft, später dann mit einem kleinen Transporter. Zeitweise seien 150 Senioren und Menschen mit Einschränkungen in den Genuss des mobilen Bibliotheksdienstes gekommen. Die Mittel für eine individuelle Belieferung stünden heute nicht mehr zur Verfügung. Deshalb habe der Service so nicht mehr aufrechterhalten werden können.

Ehrenamtliche leisten Großartiges

„Unterstützt werden wir durch viele fleißige, ehrenamtliche Helfer des Fördervereins der Anhaltischen Landesbücherei Dessau e. V.“, so Frau Lori. Der Förderverein bestehe derzeit aus ca. 60 Mitgliedern. „Drei Mitglieder sind ehrenamtlich sehr aktiv und leisten Großartiges“, lobt Frau Lori. Mehrmals im Monat würden Seniorenheime besucht und vor Ort Geschichten vorgelesen, Gedichte rezitiert oder Musikprogramme organisiert.

Es sind ca. 60 Veranstaltungen im Jahr, die organisiert, vorbereitet und durchgeführt werden müssen. Der Dank der Heimbewohner ist überwältigend, die Aufwandsentschädigung für das ehrenamtliche Engagement der Vereinsmitglieder hingegen in Form eines Tankgutscheines eher symbolisch.

Demenzkranke haben bei den Veranstaltungen plötzlich ganz helle Momente

Bibliothekarin Sabine Lori und ihre Kollegen erleben auch immer wieder sehr bewegende Momente bei der Begegnung mit Demenzkranken in den Pflegeheimen. Während des Vorlesens von Geschichten oder dem Rezitieren von Gedichten ist plötzlich ein Leuchten in ihren Augen erkennbar. Ein kleines Lächeln zeigt sich und der Blick wird ganz klar. Ein Poetry-Slammer hat in diesem Zusammenhang mal den Begriff „Weckworte“ genannt. Das trifft es ganz gut.

„Es wäre toll, wenn sich mehr Menschen dazu durchringen könnten, sich auf diese Art im Ehrenamt zu engagieren“, wünscht sich Frau Lori. Es sei eine Arbeit, die den engagierten Ehrenamtlichen viel zurück gäbe und vielleicht auch dem eigenen Leben noch mehr Sinn verschaffe.

Bibliotheksarbeit ist extrem vielseitig

Aus eigener Erfahrung weiß die gebürtige Dessauerin, dass Bibliotheksarbeit extrem vielseitig ist. Mit dem Ordnen, Sortieren und Wiederfinden von Büchern und Zeitschriften ist die Tätigkeit bei Weitem noch nicht beendet. Der versierte Umgang mit modernen Medien ist wichtiger denn je, da mittlerweile alle Medien online zur Verfügung stehen. Hinzu kommen Veranstaltungen mit Kindern, um sie zum Lesen zu motivieren, die Leseförderung, umfangreiche Recherchearbeiten, das Organisieren von Leseabenden und vieles mehr.

„Ich habe als Kind schon gern gelesen und Bibliothekarin ist der Beruf, den ich immer ergreifen wollte. Letztendlich bin ich selbst davon überrascht, dass mir der Beruf mehr gibt, als ich jemals dachte“, sagt Sabine Lori. „Ich habe nie Langeweile,lerne immer neue Autoren kennen, neue Musik; Schulklassen kommen hierher, mit denen ich Spiele ausprobieren kann und so weiter“.

Bibliotheken sollten „Grundnahrungsmittel“ sein

„Bibliotheken sind längst keine staubigen Bücherstuben mehr, wie der ein oder andere sie vielleicht aus der Kindheit kennt. Sie helfen mit den heutigen Medien Wissen, Ideen und Gedanken zu teilen – real und virtuell. Sie unterstützen Menschen dabei, den Alltag besser zu strukturieren und Generationen zusammenzubringen.“ Sabine Lori wünscht sich mehr Nutzer, vor allem auch ältere Menschen im Ruhestand, die das Potenzial von Bibliotheken entdecken. Wenn in ihnen dann das Interesse am Lesen geweckt würde, seien sie auch oft und gern bereit, ehrenamtlich aktiv zu werden.

„Bibliotheken sollten so etwas wie Grundnahrungsmittel sein, sollten zur Alltagskultur dazugehören und entsprechend solide personell und finanziell ausgestattet sein. Dazu müsste der Politik aber vor Augen geführt werden, was wir hier leisten“, so Frau Lori. Sie denkt über eine Verknüpfung mit anderen Einrichtungen nach. Gemeinsam mit Volkshochschulen ließe sich eine Art Stadtteilzentrum entwickeln, in dem Raum für Begegnungen aller Art geschaffen werden könnte.

Wird die Visionärin Sabine Lori die Anhaltische Landesbücherei Dessau eines Tages zu solch einer Begegnungsstätte etablieren? Für die Menschen in der Region um Dessau wäre es auf jeden Fall eine Bereicherung.

Weitere Informationen:
Externe Website https://bibliothek.dessau-rosslau.de/

Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr, Referat Demografische Entwicklung und Prognosen