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Berufsorientierung: Eltern erwünscht

Schule, und dann? Gute Frage – bei weit über 300 anerkannten Ausbildungsberufen und 19.000 verschiedenen Studiengängen in Deutschland. Rat suchen und finden Jugendliche auch heute noch am ehesten bei ihren Eltern. Im Saalekreis unterstützt das Projekt „EuBiK“ Eltern in dieser wichtigen Ratgeberrolle, die auch demografisch bedeutsam ist.

„Eltern haben oft andere Fragestellungen und ein anderes Problembewusstsein als ihre Kinder und wollen über andere Dinge und auf anderen Wegen informiert werden“, sagt Verena Lukas. Gemeinsam mit ihren Kollegen von der BBI - Bildungs- und Beratungsinstitut GmbH mit neun Filialen im südlichen Sachsen-Anhalt koordiniert sie das Projekt „EuBiK – Eltern unterstützen bei der Berufsfindung ihrer Kinder“.

EuBiK will eine Lücke schließen. Die Frage der Berufsfindung besprechen Kinder noch immer zuerst mit ihren Eltern. „Sie kennen ihre Sprösslinge sehr gut und können ihre Fähigkeiten oftmals besser einschätzen als die Kinder selbst oder ihre Lehrer in der Schule.“ Andererseits habe sich in ihren Beratungen herausgestellt, so Verena Lukas, dass Eltern sich in dieser enorm wichtigen Funktion zum Teil „überfordert und unsicher fühlen oder unzureichend informiert sind.“

Trendwende bei Abwanderung?

Die große Anzahl an Berufen und Berufswegen sowie viele neue Berufe mit wenig aussagekräftigen Namen sind ein Grund dafür. Hinzu komme, so Tim Leibert vom Leibniz-Institut für Länderkunde in Leipzig (IfL), dass „viele Eltern nicht so richtig einen Überblick haben, was ihre Kinder in der Region für Chancen hätten.“

2013 hatte der Demografieforscher in einer IfL-Studie Anzeichen einer Abwanderungskultur in Sachsen-Anhalt ausgemacht. Damals äußerten Schüler in Befragungen häufig, „dass die Eltern ihnen spezifisch mit auf den Weg geben: Ihr müsst hier weg, wenn ihr eine Chance haben wollt.“ Zwar fehlten ihm momentan noch belastbare Zahlen, doch: „Die Wahrnehmung der Heimatregion als eine Region, in der man auch Chancen hat, das hat sich mittlerweile ein bisschen geändert.“

„Mein Eindruck ist, dass sich die Abwanderung aus ländlichen Regionen insgesamt abgeschwächt hat. Und das hat sicherlich damit zu tun, dass sich die beruflichen Chancen der jungen Leute – gerade auf dem Ausbildungsmarkt – in den letzten Jahren deutlich verbessert haben.“ Ein Punkt, der langsam aber sicher auch bei den Eltern ankomme.

Ihre bisherigen Projekterfahrungen würden die These von der Abwanderungskultur weder bestätigen noch widerlegen, sagt Verena Lukas: „In Einzelfällen bedauerten sowohl die Eltern als auch die Jugendlichen eher, dass einige Ausbildungsberufe in der Region kaum oder gar nicht vertreten sind.“ Ein Wegzug sei dann unvermeidbar.

Oft aber hätten die Jugendlichen noch keine konkreten Vorstellungen, welchen Berufsweg sie einschlagen wollen. „Oder die Eltern haben ganz andere Vorstellungen über geeignete Ausbildungsberufe für ihre Kinder als diese selbst.“

Eltern in den Fokus rücken

Umso wichtiger ist es, Zugang zu den Eltern zu gewinnen. Zwar gab und gibt es auch im Saalekreis verschiedene Maßnahmen zur Berufsorientierung. Doch „sind die Eltern in diesen Projekten oft nur am Rande – beispielsweise zu rechtlichen Fragen – oder überhaupt nicht involviert“.

„Ein spezielles Projekt für Eltern, das diese ganz gezielt anspricht.“ So fasst Verena Lukas die Idee hinter EuBiK zusammen. Sie und ihr Team beraten Eltern im Saalekreis, deren Kinder in den kommenden zwei bis drei Jahren ihre Schulausbildung abschließen. In persönlichen Gesprächen, zu ganz konkreten Fragen über mögliche Berufe. Die Teilnahme ist freiwillig: „Die Eltern entscheiden selbst, wie oft und intensiv sie sich in das Projekt einbringen möchten.“

Seit Februar 2018 finden auch größere Informationsveranstaltungen statt. Unternehmen und Berufsbildende Schulen stellen hier ihre Ausbildungsangebote vor. „Traumberuf: Kreatives Gestalten (in der Region)“ – unter diesem Motto stand eine der Veranstaltungen. Auch die Landespolizei Sachsen-Anhalt präsentierte bereits ihre Berufsbilder.

Laut Verena Lukas sind viele weitere Themen für die kommenden Wochen und Monate bereits fest geplant: Arbeiten im öffentlichen Dienst, bei der Bundeswehr oder im Gesundheitswesen, kaufmännische Berufe, allgemeines Bewerbungstraining.

Unterstützung, die ankommt

Bei den Eltern im Saalekreis kommt vor allem die individuelle Beratung sehr gut an. „Auch unsere Infoveranstaltungen werden gern besucht“, so Verena Lukas. Die Eltern schätzten vor allem die kurzen Wege zu den Veranstaltungen.

Zuspruch kommt übrigens auch von den Unternehmen im Landkreis. Sie sehen in den Informationsveranstaltungen eine große Chance, geeignete Bewerber und Bewerberinnen zu finden. „Mittlerweile sprechen uns immer mehr Firmen und Organisationen an und wünschen sich eine Zusammenarbeit im Rahmen unseres Projektes“, sagt Verena Lukas.

Zukünftig will sie mit ihren Kollegen auch die Arbeit mit Migrationsfamilien vorantreiben. Sprachmittler sollen dabei helfen. Auf die besonderen Bedürfnisse dieser Familien wird dann in Kleingruppen eingegangen. „Hier geht es in erster Linie darum, die Eltern gezielt über das Bildungssystem in Deutschland zu informieren. Bereits laufende Maßnahmen oder bestehende Einrichtungen haben an dieser Stelle oft leider nur begrenzte Möglichkeiten.“

Mit den ersten Projektmonaten ist Verena Lukas zufrieden. Jetzt gelte es vor allem, das geknüpfte „Berufsfindungs-Netzwerk“ kontinuierlich aufzubauen und ständig zu erweitern.

„Es ist enorm wichtig, die Eltern einzubinden“, betont auch Tim Leibert noch einmal – und schiebt hinterher: „Oder zumindest dem Eindruck entgegenzutreten, dass die Kinder in einer Region aufwachsen, in der schon fast der Letzte dabei ist, das Licht auszumachen. Das ist einfach nicht so.“

EuBiK – Eltern unterstützen bei der Berufsfindung ihrer Kinder

Das Projekt „EuBiK“ wird ermöglicht durch das Landesprogramm RÜMSA – Regionales Übergangsmanagement Sachsen-Anhalt, einer Initiative des Ministeriums für Arbeit, Soziales und Integration. In einem öffentlichen Wettbewerb suchte das Landesprogramm im Saalekreis nach Ideen, wie Eltern für ihre unterstützende Rolle im Berufswahlprozess ihrer Kinder fit gemacht werden können.

Die BBI - Bildungs- und Beratungsinstitut GmbH überzeugte mit ihrem „EuBiK“-Konzept. In Workhops, thematischen Elternabenden, Informationsveranstaltungen und Einzelgesprächen beraten und coachen die Mitarbeiter des freien Bildungsträgers Eltern von Schülern und Schülerinnen im Saalekreis, die in den kommenden zwei bis drei Jahren ihren Schulabschluss anstreben.

Das Projekt wird aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und des Landes Sachsen-Anhalt gefördert. Es startete zum 1. August 2017 und läuft für mindestens zwei Jahre.

Kontakt zu den Ansprechpartnern:

BBI - Bildungs- und Beratungsinstitut GmbH
Frau Lukas / Herr Mettin
Fritz-Haber-Straße 9
06217 Merseburg
Telefon: 03461 342143
E-Mail: verena.lukas(at)bbi-bildung.de; sebastian.mettin(at)bbi-bildung.de

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