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Wie läuft man der Demenz davon?

Die Alzheimer-Forschung an der Uni Magdeburg macht Mut

Jeder hat schon einmal von Demenz gehört; kennt Geschichten, in denen über Demenz gesprochen wird. Was sich aber genau dahinter verbirgt, erschließt sich oft erst, wenn jemand aus dem eigenen Umfeld daran erkrankt. Rat und Unterstützung finden Angehörige bei der Alzheimer Gesellschaft des Landes. Zudem liefern hiesige Forscher verheißungsvolle Erkenntnisse, wie sich das Vergessen bremsen lässt.

Demenz ist ein Sammelbegriff für eine Reihe chronischer Erkrankungen des Gehirns. Der Begriff steht im weitesten Sinne für das Vergessen, für das Verlieren der geistigen, emotionalen und sozialen Fähigkeiten.

Bislang ist es der Medizin und Pharmaindustrie trotz jahrzehntelanger Forschung noch nicht gelungen Medikamente zu entwickeln, die die Krankheit zum Stillstand bringen, geschweige denn heilen. An der Universitätsklinik Magdeburg, am Institut für Physiologie, laufen seit zwei Jahren Versuchsreihen, die sich tatsächlich vielversprechend anhören.

Im Fokus: Faktor Lebensstil

Biologe Prof. Dr. Volkmar Leßmann untersucht in Versuchen an Mäusen, wie sich bei einer familiär bedingten Demenz-Erkrankung durch genetische Veränderungen im Erbgut, durch spezielle Maßnahmen die Krankheit positiv beeinflussen lässt.

Salopp gesagt untersucht Leßmann bei Tieren, die das krankmachende Gen schon in sich tragen, wie sich bestimmte Lebensstil-Faktoren auf den Ausbruch der Krankheit auswirken.

Gemeint ist unter anderem Ausdauersport – freiwilliges Laufen in Laufrädern. Und das Ergebnis ist außerordentlich verheißungsvoll: Die Tiere, die sich intensiv bewegen, erkranken entweder deutlich später oder gar nicht.

Eine Sensation, die nach Ansicht von Neurologen auch auf Menschen übertragbar sein könnte. Ähnliche Erfolge werden auch dem geistigen Ausdauersport nachgesagt. Durch Studien belegt ist dies allerdings nicht.

 

Im Tierexperiment wegweisende Ergebnisse

Und nun zu den Tierversuchen von Prof. Leßmann, die in drei Kategorien unterteilt sind: In der ersten leben drei bis vier Mäuse in einem kargen Käfig, der nur Einstreu oder etwas zum Nestbauen bietet, aber keine Spiel- oder Beschäftigungsmöglichkeiten. Das hat zur Folge, dass sich die Synapsen, also die Verbindungen zwischen den Nervenzellen im Gehirn, reduzieren. Das ist schlecht.

Im zweiten Fall bekommen die Mäuse zusätzlich zum Einstreu bewegliche Laufräder. Mit dem Ergebnis: mehr Synapsen. Schon besser. Und in der dritten Vergleichsgruppe gibt es zur Standard-Ausstattung ebenfalls Laufräder, die sich jedoch nicht drehen. Die Mäuse beginnen automatisch darauf herumzuklettern und erforschen spielerisch, was man damit machen kann. Das Ergebnis ist sehr ermutigend: Durch die zusätzliche geistige Bewegung gibt es eine deutliche Zunahme der Synapsen. Sehr gut! Die Chancen, dass die Demenz-Erkrankung nicht oder viel später ausbricht, steigen.

Dennoch sperrt sich Volkmar Leßmann, daraus abzuleiten, auch Menschen könnten durch ein gewisses Umfeld und spezielle Aktivitäten der Demenz davonlaufen: „Für mich ist das Spekulation“, sagt der Wissenschaftler. „Aber es ist sehr wahrscheinlich, dass man durch körperliche und geistige Aktivität – also durch Sport – die Demenz zurückdrängen kann. Selbst, wenn damit der Ausbruch der Krankheit um Jahre verzögert wird, ist das ein Erfolg.“

Ein anderer Teil seiner Forschung beschäftigt sich mit den für die Alzheimer-Demenz typischen Eiweiß-Ablagerungen an den Zellen, die die Arbeit der Synapsen verschlechtern. Es wird untersucht, welche Energien dafür zuständig sind, dass die Zellen sich gegen die Ablagerungen erfolgreich wehren können.

„Bei sehr schlanken, bewusst lebenden Menschen funktioniert das scheinbar besser“, so der Biologe. „Durch bestimmte Medikamente kann man die Zellstruktur aber ebenfalls günstig beeinflussen.“ Für sich persönlich setzt Leßmann auf Sport, lebt bewusst und empfiehlt hin und wieder zu fasten, um lange gesund zu bleiben.

Wo gibt es Hilfe für pflegende Angehörige?

Die Alzheimer-Demenz ist die häufigste Form der Demenz. Jeannette Böhm von der Alzheimer Gesellschaft Sachsen-Anhalt leitet seit vier Jahren die Beratungsstelle des eingetragenen Vereins.

„Viele Angehörige stoßen an ihre Grenzen, wenn sie rund um die Uhr für die Erkrankten da sein müssen. Sie brauchen neben einer Beratung vor allem die Möglichkeit einer Entlastung“, weiß sie aus ihrem Arbeitsalltag.

„Wird eine Demenz festgestellt, sind wir nach dem Arzt oft die ersten Ansprechpartner“, so Böhm. „Wir wissen, welche Institutionen helfen und vermitteln Betreuungsangebote, sodass die Pflegenden ein paar Stunden am Tag für sich haben. Und wenn es nur die Zeit für einen Frisör- oder Arztbesuch ist.“

Die Alzheimer Gesellschaft, die ihren Sitz in Magdeburg hat, bietet selbst eine Tagesbetreuung an. Das intensive Programm zielt darauf ab die Alltagskompetenzen zu erhalten – mit betreuter Gartenarbeit, gemeinsamem Kochen, Basteln, Singen oder auch Tanzen. Alles Dinge, die kaum jemand neben dem Haushalt und Alltagserledigungen leisten kann.

Zudem weiß man in der Alzheimer Gesellschaft, welche Ärzte für welchen Befund Ansprechpartner sein könnten. Oder dass es in der Universitätsklinik Magdeburg eine Gedächtnissprechstunde speziell für Demenz-Patienten gibt.

„Nach der Umstrukturierung der Pflegeversicherung haben viele Angehörige Fragen zu den neuen Leistungen“, so die Beratungsstellenleiterin. Gemeint ist damit vor allem die Entlastungsleistung von 125 Euro monatlich, die es erst seit dem letzten Jahr im Pflegegrad 1 gibt.

Vor der Reform hatten viele Demenzkranke keine Pflegestufe und damit auch keine Leistungen aus der Pflegeversicherung erhalten. „Die Voraussetzungen dafür waren vor allem körperliche Einschränkungen, die oft nicht zutrafen“, so Böhm. Doch auch die erneuerte Pflegeversicherung weist aus Sicht pflegender Angehöriger noch einige Mängel und Ungerechtigkeiten auf, sagt Jeannette Böhm, die aber, was ihre Arbeit anbelangt, zuversichtlich in die Zukunft schaut.

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