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Weg frei für die Jugend

Wie passen „Jugendgerecht“ und „ÖPNV“ in Sachsen-Anhalt zusammen?

„Jugendgerechter Öffentlicher Personennahverkehr“ – hört sich erst einmal etwas sperrig an. Doch was sich dahinter verbirgt, ist ein sehr lebensnahes Projekt. Noch steckt es in den Kinderschuhen, könnte sich aber zu einer großen, das gesamte Land bewegenden Kampagne auswachsen.

Denn es geht letztlich darum, Sachsen-Anhalt auch für Jugendliche so attraktiv zu gestalten, dass sie gern in ihrer Heimat bleiben, weil hier alles vorhanden ist, was sie für ein glückliches Leben brauchen – so das hehre Ziel.

Einer, der daran mitwirkt, ist Arne Ehritt. Er arbeitet für das Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr (MLV) als Referent im Referat Demografische Entwicklung und Prognosen. Dabei geht es um nichts Geringeres als die Grundlagen für Lebensqualität, vor allem für die Jugend in Sachsen-Anhalt.

In seinem Fachbereich Demografie ist Ehritt unter anderem für das Thema Jugend zuständig. Der Bezug zum Thema ÖPNV und ländlicher Raum ist da schnell hergestellt und dieses ist komplex und vielschichtig: „Das muss man sich wie einen komplizierten Flickenteppich vorstellen“, erklärt Ehritt.

„Jeder Landkreis hat seine eigenen Tarifzonen und auch die Fahrplanabstimmung über die Landkreisgrenzen hinweg ist meist unzureichend oder nicht gegeben.“ Bei „marego“, dem Magdeburger Regionalverkehrsverbund, ist das beispielsweise anders. Hier haben das Jerichower Land, der Salzlandkreis und der Landkreis Börde einen gemeinsamen Plan erstellt – ein Erfolgsprojekt, meint Ehritt.

Teilhabe stärken

Gerade Kinder und Jugendliche sind auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Sie wollen eigenständig zu ihrem Jugendclub fahren, zum Sportverein oder Freunde aus dem Nachbarort besuchen. Genau das ist jedoch häufig ein Problem. In der Politik ist es längst angekommen, sie unternimmt große Anstrengungen, auch die ländlichen Bereiche wiederzubeleben, die von öffentlichen Verkehrsmitteln nicht mehr angesteuert werden.

Um den tatsächlichen Bedarf zu ermitteln, arbeitet das MLV eng mit dem Sozialministerium, dem Kinder- und Jugendring Sachsen-Anhalt und der Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt GmbH (NASA) zusammen, um nur einige Projektpartner zu nennen.

Michael Behr vom Kinder- und Jugendring Sachsen-Anhalt e. V. erklärt, dass es schon eine ganze Reihe von sogenannten Mikroprojekten gibt, in denen junge Menschen ihre Interessen und Bedürfnisse klar formulieren: „Die Kinder und Jugendlichen müssen sich selbst einbringen. Sie sollen lernen, dass man nichts ändern kann, wenn man sich nicht selbst einbringt.“

Behr ist Referent für Kinder- und Jugendbeteiligung im Projekt „Jugend Macht Zukunft“. Es wurde initiiert, um die Teilhabe junger Menschen in Sachsen-Anhalt zu stärken, auszubauen und nachhaltig zu sichern.

Unter anderem mit besagten Mikroprojekten, wie der Umgestaltung eines Jugendclubs oder der Organisation eines Festivals, in denen Kinder und Jugendliche austesten können, für sich einzutreten und die eigene Zukunft direkt mitzugestalten.

Es könne in einem solchen Projekt auch darum gehen, so Michael Behr, sich mit dem Bürgermeister, Wirtschaftsunternehmen oder Politikern zu treffen, um die eigenen Wünsche zu formulieren. Das Thema bezahlbarer Nahverkehr bis in den letzten Winkel des Landes stehe hier an vorderer Stelle.

Und immer, wenn der ÖPNV thematisch auftaucht, geht es auch um die Diskussion des kostenfreien Nahverkehrs. „Dabei haben wir festgestellt, dass sich viele Probleme damit gar nicht lösen lassen, weil einige Gebiete schlicht vom Verkehrsnetz abgeschnitten sind. Das muss geändert werden“, fordert Behr.

Jugend und Politik im Dialog

Also lud der Verein im November des vergangenen Jahres Kinder und Jugendliche in die KulturFabrik Haldensleben ein, um ihre Sicht auf den ÖPNV In Sachsen-Anhalt zu diskutieren. „Weichen stellen – Jugend nimmt Fahrt auf“ hieß die Veranstaltung. Es folgte ein Treffen mit hiesigen Verkehrsverbünden und -unternehmen (NASA, marego, BördeBus). Und eine Online-Umfrage wurde gestartet, die exakt 1.456 Kinder und Jugendliche ausfüllten.

Im Juni 2018 dann der nächste Schritt: Jugendliche aus ganz Sachsen-Anhalt trafen sich mit Vertretern der Landtagsfraktionen von CDU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und DIE LINKE, um sich darüber auszutauschen, ob und wie die Wünsche der Kinder und Jugendlichen umgesetzt werden können. Die drei Hauptthemen: „Kostenfreier ÖPNV für Jugendliche“, „Verbesserung der Fahrzeiten zu den Stoßzeiten“ sowie „Mitbestimmung, Transparenz und Funktionalität“. Die Ergebnisse sollen bei der geplanten Umstrukturierung des Verkehrsnetzes eingearbeitet werden.

„Wir schielen dabei immer auch nach Hessen“, sagt der studierte Sozialarbeiter Michael Behr. „Dort gibt es das 365-Euro-Ticket, das für ein Jahr gilt. Kinder- und Jugendliche können damit täglich im gesamten Land für einen Euro alle Nahverkehrsmittel nutzen. Aber Hessen ist im Gegensatz zu Sachsen-Anhalt ein reiches Bundesland.“

Bei uns gibt es zwar das Schülerferienticket, aber das gilt eben nur im Sommer und nur für Schüler.

Besonders kritisch sieht Michael Behr die Lage bei den Auszubildenden. Sie müssten oft viel Zeit einplanen, um an ihre Ausbildungsorte zu kommen – ohne dabei einen ermäßigten Tarif in Anspruch nehmen zu können.

„Es kommt sogar vor, dass Lehrlinge ihre Ausbildung abbrechen müssen, weil sie die Fahrpreise nicht bezahlen können“, verdeutlicht er die Reichweite des Problems, das zu den Gründen für die Abwanderung der Jugend in andere Bundesländer gehöre und darum in jedem Fall gestoppt werden müsse.

Einzelprojekte als konkrete Lösungsansätze

Neben den Herausforderungen und Problemen müssten immer auch die positiven Aspekte und Erfolgsgeschichten gesehen werden, sagt Arne Ehritt. So wird im Land bereits viel getan, um den ÖPNV attraktiver zu gestalten. WLAN in Bus und Bahn sind inzwischen keine Seltenheit mehr, die Fahrzeugflotten sind meist auf dem neusten Stand und auch andere Themen werden konstruktiv angegangen.

Eine diese Erfolgsgeschichten ist das Projekt RUMOBIL, das zusammen mit anderen Partnern in Mittel- und Osteuropa unter der Federführung des MLV durchgeführt wird. „Dank des Projekts haben wir seit einigen Monaten in Möser und Osterburg einen Bürgerbus, den Bürger für Bürger fahren und damit das Mobilitätsangebot vor Ort ergänzen.“ Wo nur wenige Menschen den ÖPNV nutzen, seien diese innovativen Lösungen sinnvoll, um Lücken im Fahrplan zu schließen, die sonst nicht bedient werden können. „Die Anpassung an die Bedingungen unter den demografischen Herausforderungen in unserem Land braucht kreative Ideen, Geduld und Menschen, die dafür einstehen“, sagt Ehritt.

Das Konzept Bürgerbus soll daher auch über die Projektlaufzeit hinaus fortgeführt werden, wofür die NASA GmbH bereits entsprechende Maßnahmen ergriffen hat und auch anderen Gemeinden die Möglichkeit zur Etablierung eines Bürgerbusses ermöglichen will. „Die positiven Erfahrungen mit dem Projekt RUMOBIL und auch die gute Zusammenarbeit mit unseren Partnern haben uns überzeugt einen weiteren Projektantrag zu stellen, in dem wir uns unter dem Namen YOUMOBIL stärker dem Thema der Mobilität von Jugendlichen widmen wollen.“

Auf einen möglichen Bescheid aus Wien müssen alle Beteiligten allerdings noch bis Ende des Jahres warten, denn erst dann wird sich zeigen, ob sich der neue Projektantrag auch durchsetzen konnte.

Kontakt im Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr:

Herr Arne Ehritt
Ministerium für Landesentwicklung
und Verkehr Sachsen-Anhalt
Turmschanzenstraße 30
39114 Magdeburg
Telefon: 0391 567 7493
E-Mail: arne.ehritt(at)mlv.sachsen-anhalt.de


Mehr zum Thema Jugendbeteiligung:

Website Kinder- und Jugendring Sachsen-Anhalt e. V.
Website des Projektes „Jugend Macht Zukunft“

Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr, Referat Demografische Entwicklung und Prognosen

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