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Aufbau kommunaler Geoportale

Infrastruktur und Bevölkerungsdaten einheitlich visualisieren und unterstützen

Von Prof. Dr. Matthias Pietsch, Hochschule Anhalt

Geoportale sollen bei der einheitlichen Erhebung von Daten helfen und somit bei der Planung von gleichwertigen Lebensverhältnissen im ländlichen Raum unterstützen.

In Sachsen-Anhalt wirkt der demografische Wandel insbesondere in den ländlichen Regionen. Um dennoch das Ziel, gleichwertiger Lebensverhältnisse zu schaffen, sind nachhaltige Planungen speziell im Bereich der Daseinsvorsorge notwendig. Dazu werden aktuelle, verlässliche Informationen benötigt, die einer Vielzahl an Akteuren (öffentliche Verwaltung, Fachleute aus der Wirtschaft, Planern, Bürgerinnen und Bürgern) schnell zur Verfügung gestellt werden müssen.

Als wesentliche Informationsgrundlagen für Planungen im Bereich der Daseinsvorsorge ist die räumliche Darstellung der Infrastruktureinrichtungen (z.B. Kindertagesstätten, Schulen, Sportstätten, Apotheken) sowie die Bereitstellung von Bevölkerungsdaten zu organisieren. Der Bedarf und die Nachfrage an Daseinsvorsorgeinfrastrukturen in den jeweiligen Städten und Gemeinden einschließlich der Beurteilung der Erreichbarkeiten für verschiedene Bevölkerungsgruppen sind wesentliche Informationsgrundlagen für Entscheidungen auf kommunaler Ebene.

Geoportale als Entscheidungshelfer

Geoportale als internetbasierte Informationssysteme, die raumbezogene Daten verwalten, analysieren und visualisieren, können diese Entscheidungen unterstützen sowie für die zukünftige Entwicklung der ländlichen Regionen Sachsen-Anhalts eingesetzt werden.

Dazu wird auf Bundesebene eine zentrale Geodateninfrastruktur (GDI-DE) geschaffen, die einen verwaltungsübergreifenden Informationsaustausch unterstützt und die Suche nach Daten und Informationen erleichtert. Im Land Sachsen-Anhalt wurde und wird ebenfalls zentral eine eigene Geodateninfrastruktur aufgebaut und gepflegt.

Dabei wird ein sogenanntes Knotenkonzept verfolgt, das zum einen aus der zentralen Komponente (Zentraler Geodatenknoten – ZDGK), die in der Verantwortung des Landes betrieben wird und zum anderen aus dezentralen Geodatenknoten besteht, welche durch die Landkreise oder Kommunen aufgebaut und gepflegt werden.  Kommunale Geoportale können die Funktion dezentraler Geodatenknoten übernehmen.

Auf Landesebene wird aktuell das Amtliche Raumordnungsinformationssystem (ARIS) entwickelt. In diesem sollen die Daten der Landesentwicklung gebündelt und als Grundlage für die kommunale Bauleitplanung sowie weitere Fachplanungen und die Raumbeobachtung webbasiert zur Verfügung gestellt werden. Der verlustfreie Informationsaustausch über Geodienste zwischen dem ARIS und den kommunalen Geoportalen wird zukünftig Aufwand und Zeitersparnis mit sich bringen. Auch das vom Land betriebene Demografieportal kann von einer Datenlieferung über kommunale Geoportale profitieren.

An der Hochschule Anhalt wurde in den vergangenen Jahren in Zusammenarbeit mit Softwareunternehmen am Aufbau einheitlicher kommunaler Geoportale in mehreren Landkreisen Sachsen-Anhalts gearbeitet. Während die Gesellschaft für Informationstechnologie mbH für die Entwicklung des Geoportals zuständig ist, wurden durch die Sisterhenn IT-Consulting und Investment GmbH Lösungen zur Bereitstellung der Bevölkerungsdaten sowie die Ableitung von Bevölkerungstrends realisiert.

In Zusammenarbeit mit den Fachanwendern in den Landkreisen sowie ausgewählten Pilotgemeinden konnten Prüfkriterien und Indikatoren erarbeitet werden, die die nachhaltige Planung der genannten Einrichtungen unterstützen können. Zu nennen sind beispielsweise die raumkonkrete Darstellung von Bevölkerungszahlen auf unterschiedlichen Detaillierungsstufen oder die Angabe von Kapazitäten ausgewählter Daseinsvorsorgeinfrastrukturen.

Ziel ist es, zukünftig die Informationen aktuell und schnell verfügbar über die entwickelten Geoportale bereitzustellen und den Aufwand der Informationsgewinnung zu minimieren. Damit können langfristigere Entwicklungen erkannt und auf dieser Grundlage neue Lösungswege gesucht werden, um den Anforderungen des demografischen Wandels gerecht zu werden.

Ein verwaltungsübergreifender Informationsaustausch mit den bereits vorhandenen Systemen im Land (Demografieportal, Amtliches Raumordnungsinformationssytem) wird dadurch erleichtert, ohne die kommunale Datenhoheit in Frage zu stellen.

Über den Autor:

Prof. Dr. Matthias Pietsch forscht und lehrt an der Hochschule Anhalt zu angewandter Geoinformatik und Fernerkundung. In mehreren Projekten in Sachsen-Anhalt wird der Aufbau kommunaler Geoportale zur Lösung räumlicher Fragestellungen wissenschaftlich begleitet. Neben der Nutzung der Ergebnisse aktueller Standardisierungsinitiativen (z.B. XPlanung) sollen damit aktuelle Fragestellungen der Raumplanung, des Flächenmanagements sowie der Daseinsvorsorge unterstützt werden.

Prof. Dr. Matthias Pietsch

Ansprechpartner:

Hochschule Anhalt
Prof. Dr. Matthias Pietsch, Telefon: 03471/355-1140
Matthias Henning, Telefon: 03471/355-1260


Weiterführende Informationen:

https://demografie.sachsen-anhalt.de/daten-und-konzepte/kommunale-geoportale/

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