Europäische Raumentwicklung

Der Europäischen Union (EU) gehören 28 Mitgliedsstaaten an, die gemeinsam rund ein Drittel des Bruttoinlandsprodukts der Welt erwirtschaften. Damit gehört die EU zu den größten und wirtschaftsstärksten Regionen der Welt. Doch gibt es innerhalb der EU gravierende Entwicklungsunterschiede.

Diese Unterschiede erfordern von den Mitgliedsstaaten gemeinsame Vorstellungen über die Entwicklung des EU-Territoriums und die Erarbeitung von Strategien zur Umsetzung der Entwicklungsziele. Die für Raumentwicklung und territoriale Entwicklung zuständigen europäischen Ministerinnen und Minister der EU haben sich dieser Problematik angenommen.

Bereits im Mai 1999 wurde das „Europäische Raumentwicklungskonzept“ beschlossen. Im Mai 2007 folgte die „Territoriale Agenda der Europäischen Union“, die während der deutschen Ratspräsidentschaft von den Raumordnungsministern der Länder bestätigt wurde. Im Mai 2011 wurde sie einer Prüfung unterzogen und schafft als „Territoriale Agenda 2020“ den politischen Rahmen für eine Förderung des territorialen Zusammenhalts in Europa.

Angesichts neuer Herausforderungen für die Raumentwicklung, wie der Klimawandel, Energieprobleme oder die Finanz- und Wirtschaftskrise, bietet die Territoriale Agenda 2020 eine strategische Neuorientierung der Raumordnungspolitik. Sie wurde außerdem an den veränderten europapolitischen Rahmen, bedingt durch das Inkrafttreten des Lissabon-Vertrags und die Verabschiedung der „Europa 2020“-Strategie, angepasst. Die Territoriale Agenda bildet so einen aktionsorientierten politischen Rahmen zur Stärkung des territorialen Zusammenhalts und der Ziele der Europa 2020-Strategie.

Die Ziele des Europäischen Raumentwicklungskonzeptes und der Territorialen Agenda sollen gemeinsam von den europäischen Institutionen sowie den nationalen, regionalen und lokalen Regierungs- und Verwaltungsebenen angestrebt werden.

INTERREG – Europäische territoriale Zusammenarbeit

Ein wichtiges Programm zur Förderung der Zusammenarbeit von Städten, Regionen, Institutionen und Mitgliedstaaten ist INTERREG, das aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) finanziert wird.

Speziell INTERREG B fördert die staatenübergreifende Zusammenarbeit zwischen nationalen, regionalen und lokalen Behörden in transnationalen Kooperationsräumen und soll zu einer harmonischen räumlichen Entwicklung des gesamten Gebietes der EU und zu einer besseren Integration der neuen Mitgliedstaaten beitragen.

Die Auswirkungen des Demografischen Wandels sind mehrheitlich in vielen anderen Ländern Europas zu verzeichnen, daher wird das Thema auch im Rahmen von Projekten der Transnationalen Zusammenarbeit behandelt.

Auf Initiative und unter Leitung des Ministeriums für Landesentwicklung und Verkehr des Landes Sachsen-Anhalt ist unter anderen das transnationale Projekt YURA (Entwicklung und Umsetzung ganzheitlicher Jugendstrategien für Regionen mit Abwanderung) entwickelt und umgesetzt worden. Mit YURA wurden gemeinsam mit Jugendlichen, Unternehmen und der Politik Aktionen und Aktivitäten  konzipiert, die der Abwanderung junger Menschen besonders aus ländlichen Regionen entgegenwirken. An diesem Projekt waren Regionen aus sechs EU-Mitgliedstaaten beteiligt.

Ein weiteres Projekt mit demografischer Ausrichtung war SEMIGRA, mit welchem die Ursachen und Folgen der selektiven Abwanderung, speziell der Abwanderung junger Frauen, in den am Projekt beteiligten Regionen in Deutschland, Finnland, Schweden und Ungarn untersucht wurden.