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Perspektivwechsel schafft Wettbewerbsvorteil

Wie demografiefest sind Unternehmen in Sachsen-Anhalt?

Ein Gespräch mit André Gottschalk, Koordinator Beratung für Unternehmen der Landesinitiative „Fachkraft im Fokus“, die kleine und mittelständische Betriebe kostenfrei in allen Fragen der Fachkräftesicherung berät.

Ein zentraler Aspekt im Beratungsspektrum der an fünf Standorten in ganz Sachsen-Anhalt vertretenen Landesinitiative ist inzwischen die Beschäftigungsfähigkeit älterer Fachkräfte. Auf ihren Erfahrungsschatz kann heute und in Zukunft kaum noch ein Arbeitgeber verzichten.

Doch ist das Demografie-Management in den Unternehmen längst noch keine Selbstverständlichkeit, weiß André Gottschalk. Viele Firmeninhaber würden eher symptombezogen agieren. „Das akute Symptom, das ein Arbeitgeber spürt, ist: Ich finde keine Fachkräfte mehr. Ein Problem, das ich vielleicht vor fünf Jahren nicht kannte. Das ist meistens auch der Punkt, bei dem man sich an uns wendet und sagt: Was kann ich denn jetzt tun?“

Den Blick für Chancen und Bedürfnisse öffnen

Ein erster wirksamer Schritt sei ein Wechsel der Perspektive, empfiehlt Gottschalk dann. Unternehmer müssten sich fragen: Kommt vielleicht einer meiner Angestellten für den Posten infrage? Spreche ich überhaupt ältere Bewerber direkt an? Und wenn ja, wie bereite ich mein Unternehmen auf eine Belegschaft mit einem Altersdurchschnitt jenseits der 45 vor?

„Was tust du, um präventiv zu gewährleisten, dass die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sich bei dir wohlfühlen, arbeits- und beschäftigungsfähig bleiben?“, nennt Gottschalk ein weiteres Beispiel.

Fragen, die sich Unternehmer oftmals erst stellten, wenn ihre Beschäftigten mit zunehmendem Alter über körperliche Beschwerden bei der Arbeit klagen. Gottschalk hat aber auch die Erfahrung gemacht, dass es häufig nötig ist, „erst einmal die Belegschaft selbst davon zu überzeugen, dass sie älter wird“. Offensiv damit umzugehen sei in vielen Unternehmen nicht alltäglich.

„Und dann spielt natürlich auch eine Rolle: Kann ich mir als Unternehmen die entsprechende Investition auch leisten oder finde ich einen Partner, der mich dabei nicht nur organisatorisch, sondern vielleicht auch finanziell unterstützt?“

Entscheidender Faktor im Wettbewerb

Die Rahmenbedingungen für die Unternehmen bewertet Gottschalk grundsätzlich als gut: die Politik sei selbst sensibilisiert und sensibilisiere wiederum die Wirtschaft mit vielfältigen Informations- und Beratungsangeboten. „Die Frage ist bloß: Wie hoch ist der Grad des Bewusstseins in den Unternehmen ausgeprägt?“

Einerseits, sagt Gottschalk, sei er zufrieden darüber, „dass es doch eine Anzahl von Unternehmen gibt, die das Thema als wichtig für sich erkannt haben; auch als Thema, mit dem man sich auf dem Arbeitsmarkt einen Wettbewerbsvorteil verschaffen kann.“

Fachkräfte seien nun einmal eine knapper werdende Ressource. Da müssten Betriebe schon schauen, wie sie sich als Arbeitgeber verkaufen.

Gottschalk sieht in der unternehmerischen Erkenntnis, sich als attraktiver Arbeitgeber nicht nur, aber gerade für ältere Beschäftigte präsentieren zu müssen, einen enormen Marketing-Hebel. Jedoch – und das ist die Kehrseite – habe sich daraus noch kein „wirtschaftsübergreifender Gedanke“ entwickelt.

Warum ist das so? Für Gottschalk und sein Team in erster Linie eine Generationsfrage: „Wir stellen fest, dass jüngere Unternehmer und Unternehmerinnen sich der Frage des Umgangs mit Älteren bedeutend eher annehmen als ältere Arbeitgeber, die noch aus anderem Korn und Schrot sind“. Mit Verweis auf ihr eigenes Alter würden diese die Bedürfnisse älterer Beschäftigter eher abtun als jüngere Firmeninhaber. „Und wenn das so ist“, fügt Gottschalk mit einem Augenzwinkern hinzu, „dann sollte es sich ja bessern – auf biologischem Wege“.

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